Ein anderes Bewusstsein

Bin ich mir wirklich dessen gewahr was ist, enden unbewusste Vorgänge. Dann erlischt gleichzeitig die Trennung zwischen Innen und Außen. Aber ist das wirklich so? Gerade habe ich mal wieder nicht den Gang durch die Küche hinbekommen, ohne den Kühlschrank von innen nach Essbarem zu inspizieren und das, obwohl ich mich heute früh eigentlich entschlossen hatte, endlich abzunehmen. Es scheint also nicht nur so zu sein, dass ich ‚Innen‘ und ‚Außen‘ gedanklich oft trenne, sondern ich trenne es tatsächlich.

Wäre ich jedoch dessen gewahr gewesen, was war beziehungsweise, was ist, dann hätte ich den inneren Widerspruch wahrgenommen, hätte die unmittelbare Verbindung zum Außen hergestellt, die Kühlschranktür zugelassen und statt dessen wahrgenommen, was ich eigentlich wollte oder will und wovon ich mich abzulenken suchte, was ich also damit kompensierte und verdrängte. Aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass unbewusste Vorgänge bewusst werden können und damit auch aufhören, einfach dadurch, dass ich ihrer gewahr bin. Leider ist es definitiv nicht so einfach etwas nur wahrzunehmen, ohne mir gleich irgendwelche Gedanken dazu zu machen, es zu bewerten, zu beurteilen und ordentlich in mein Weltbild einzusortieren. Doch nur dann bin ich auch wirklich achtsam. Nur kann ich das leider nicht üben, ich kann es mir nicht vornehmen in dem Sinne von „Ich muss achtsam sein!“ Das funktioniert einfach nicht.

Ich denke, dass wirkliche Einsicht, nicht nur intellektuelles Verständnis, dafür der Schlüssel ist. Einsicht beinhaltet ja auch das, wiederum nicht intellektuelle, Gefühl von Notwendigkeit, wobei man sich darüber klar sein muss, dass auch ein Gefühl wie eine Emotion das Ergebnis eines geistig-mentalen Prozesses ist. Es klingt für das übliche Verständnis ziemlich verquer, dass gerade auszuwählen einen Mangel an Aufmerksamkeit bedeutet. Wahrscheinlich spielt dabei Kontrolle eine große Rolle, wenn ich also die Vorstellung habe, dass ich etwas kontrollieren könnte. Doch genau das ist eine Illusion. In dem Moment aber, in dem ich wirklich aufmerksam bin, tue ich exakt das, was richtig ist zu tun und versuche nicht zu kontrollieren, vor allem auch nicht mich selbst.

Als wir kürzlich Teppiche gekauft haben, war dieses Gewahrsein für meine Frau und mich möglich, aber nicht, weil wir uns dazu verabredet hatten, es passierte einfach. Wir trafen unsere Wahl, aber ohne willentlich auszuwählen. Es war ein Wählen durch Nicht-Wählen. Das Interessante dabei war, dass wir noch nie so schnell etwas ausgesucht hatten. Und es passte auch noch perfekt in das Wohnzimmer. Wenn das nicht der klare Hinweis darauf war, dass es richtig ist, an die Dinge anders heranzugehen als gewohnt, eben mit einem anderen Bewusstsein. Aber ich glaube nicht, dass man das einfach so auf Kommando tun kann, ich jedenfalls konnte das nicht. Ohne das was ich heute weiß, wäre ich nie über die Grenze meines früheren Denkens hinaus gekommen.

Ein anderes Bewusstsein brauch definitiv eine andere Art des Denkens.